Das Frankfurter Bahnhofsviertel zählt zu den berühmtesten und berüchtigtsten Stadtvierteln Deutschlands. Drogenszene, Rotlichtviertel und hippe Szenetreffs liegen hier dicht beieinander.

Einleitung

Frankfurt am Main liegt im Südwesten von Deutschland am Taunus und ist mit etwa 750.000 Einwohnern Hessens größte, und Deutschlands fünftgrößte Stadt. Entlang der etwas südlich gelegenen Innenstadt fließt in Ost–West–Richtung der Main, welcher der Stadt seinen Namen gibt. Die Stadt liegt in der gemäßigten Klimazone. Im Vergleich zu anderen deutschen Städten gibt es hier verhältnismäßig viel Niederschlag und die Jahresmitteltemperatur liegt bei 10,7 °C. Nähere Informationen kann man den Klimadiagrammen entnehmen. Wie auch fast überall in Europa weht ein vom Atlantik ausgehender Westwind. Besonders an Frankfurt ist die im Stadtzentrum gelegene Skyline. Die meisten Wolkenkratzer und Hochhäuser stehen dabei im Bankenviertel, zu dem auch der östliche Teil des Bahnhofsviertels gehört. Da die Stadt einer der wichtigsten internationalen Finanzplätze ist, findet man in vielen Hochhäusern Banken vor. Ebenfalls von internationaler Bedeutung ist Frankfurts Flughafen, der einer der größten weltweit ist.1310 

Übersicht

Topografie 

Das Bahnhofsviertel liegt in der Oberrheinische Tiefebene im Zentrum von Frankfurt. Insgesamt ist das Quartier recht eben und senkt sich zum Flussufer hin ab. Der maximale Höhenunterschied beträgt etwa 12 Meter. Etwa 20 Meter, wenn man den Fluss mit betrachtet. Der angrenzende Main selbst hat eine Breite im Bereich des Bahnhofsviertels von 125 bis 145 Metern. Der Wasserpegel schwankt dabei zwischen 160 und 165 Zentimetern. Mit einem halben Quadratkilometer ist das Quartier das zweitkleinste in Frankfurt. Der Boden besteht zum Teil aus der Flussablagerung des Main, in Form von zerkleinerten Gestein und einem Lehmgemisch.1289

Höhenlinienplan

Geschichte 

Im 19. Jahrhundert war das heutige Bahnhofsviertel nur wenig bebaut. Vorhanden waren einzelne Gutshöfe am Main und wenige Landhäuser der Adligen und reicheren Einwohner, welche nördlicher im Quartier lagen. Zudem befand sich in der Brachlandschaft auch der Galgen. Mit dem Industriezeitalter verschwand er aber und die Villen kamen ins Viertel. Das Bahnhofsviertel war nicht von den Stadtmauern umgeben, sodass erste Bauvorschriften, in Form von Fluchtlinienplänen, Höhenbeschränkungen und Musterblätter zur Farbgestaltung, das Gebiet planbar machen sollten. Bis 1870 gab es 67 Villen und 54 Mietshäuser, die vorrangig von Bankiers, Kaufleuten, Rentnern und Witwen bewohnt wurden. Geplant waren 11.000 Menschen, schon 1914 wohnten dann ca. 10.000 Menschen im angesagten Renommierviertel mit Geschäftshäusern, Hotels, Cafés und Restaurants. Der damals größte Hauptbahnhof Europas eröffnete 1988 in Frankfurt am Main. Die Bebauung verlief zu diesem Zeitpunkt entlang am Mainufer und der Gutleutstraße und locker entlang der Mainzer Landstraße. Die Idee, das Bahnhofsviertel als Geschäftsviertel zu nutzen, kam Ende des 19. Jahrhunderts vom damaligen Oberbürgermeister Franz Adickes, da das Gebiet ohnehin schon von den Wohlhabenderen bewohnt wurde. Zwischen 1870 und 1914 entstanden 740 Privatbauten, von denen 70 % Wohnbauten mit Gewerbe im EG waren, 20 % Geschäftshäuser, 6 % Hotels von hoher architektonischer Qualität. Dazu kamen rund 112 Bauten, die der Gastronomie angehörten. Die bauliche Entwicklung galt 1914 als abgeschlossen.467

Geschichte

Entwicklung 

Das Bahnhofsviertel war nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend zertrümmert. Kaum eines der bis dahin 850 gebauten Häuser blieb unversehrt, 26 % davon waren sogar vollständig zerstört. Wie in vielen Teilen Deutschlands füllten auch in dem Bahnhofsviertel Zweckbauten die Lücken. Die amerikanischen Soldaten brachten das Nachtleben ins Bahnhofsviertel, welches sich in den 1960er-Jahren in einen Rotlichtbezirk wandelte. Dies sorgte für den schlechten Ruf, mit dem das Bahnhofsviertel auch heute noch zu kämpfen hat. In den 1980er-Jahren kam die Drogenszene dazu, wodurch das Viertel in den 90ern zum sozialen Brennpunkt mitten in Frankfurt am Main wurde. Um dem Ruf und dem Stadtbild zu helfen, sanierte die Stadt Frankfurt die Häuser aus der Gründerzeit. Insgesamt erlitt das Viertel viele Einbußen bezüglich der Einwohnerzahl. 2006 lebten noch ca. 2.300 Menschen hier. Damit einhergehend ist der Leerstand von vielen Wohnungen und der Verfall von wertvollen Bausubstanzen. Um dem entgegenzuwirken, ist das Bahnhofsviertel seit 2004 im Programm „Stadtumbau Hessen“, um das Entwicklungspotenzial umzusetzen. Der Drogenhandel, der Anteil an Ausländern und Prostitution sind immer noch ein großes Thema und prägen das Viertel bis heute.467

Entwicklung

Bebauungstypen 

Eine Blockrandbebauung mit neun HochpunktenSkyper, Silberturm, Marienturm , Galileo, Union Investment-Hochhaus, Taunusanlage 11, Taunusanlage 8, Wyndham Grand Hotel, Adina Apartment Hotel, zieht sich durch das gesamte Gebiet des Bahnhofsviertels. Hierbei gibt es 21 Baufelder, wovon 16 mit einer Blockrandbebauung, besetzt sind. Auf den restlichen Baufeldern findet man eine gemischte Bebauung vor, die unter anderem Solitäre nachweist. Innerhalb der einzelnen Gebäude besteht größtenteils eine Mischnutzung. Während die Erdgeschosse meist als öffentlicher Raum (Gastronomie, Einzelhandel) genutzt werden, befindet sich in den Obergeschossen Wohnraum oder Bürofläche.1112

Schwarzplan Bahnhofsviertel

Strukturellen Merkmale  

Das Viertel liegt zentral im Frankfurter Innenstadtbezirk und wurde als Prachtstraßen-System mit Repräsentationsanspruch angelegt. Die Kaiserstraße dient als zentrale Achse, die das Viertel in Nord und Süd teilt. Vor allem die Taunus- und Kaiserstraße, als breite Boulevards, verlaufen von West nach Ost und sind im Stadtbild als Verlängerung des Hauptbahnhofes zu sehen. Das Gebäude des Hauptbahnhofes befindet sich allerdings nicht auf dem Gelände des Bahnhofsviertels, sondern auf dem des Gallus. Die Mainzer Landstraße, die Moselstraße, die Taunusanlage und das Mainufer gelten hier als Stadtteilgrenzen.711

Verkehr und Infrastruktur 

Die Stadtteilgrenzen und drei weitere West-Ost Achsen weisen eine sehr hohe Verkehrsdichte auf. Im Kern des Bahnhofsviertels bestehlt allerdings eine geringe Verkehrsdichte. Aufgrund dessen befinden sich dort die Fahrradrouten. Zudem verläuft die Straßenbahnlinie, als einzige in dem Viertel, entlang der Münchener Straße. Der Hauptbahnhof ist innerhalb von zehn Minuten von überall aus zu erreichen. Als besondere Problempunkte für Fußgänger gelten die Schnittpunkte der stark und weniger stark besuchten Straßen.57

Verkehrsachen

Öffentlicher Raum 

Plätze und Freiräume gibt es im Bahnhofsviertel nur sehr wenige, obwohl das öffentliche Leben hier sehr ausgeprägt ist. Der Großteil spielt sich an den Straßen und Bürgersteigen ab, denn im Erdgeschossen der Blockrandbebauung sind meistens Geschäfte und Restaurantsaus unterschiedlichen Kulturen zu finden, die sich zur Straße hin öffnen. Dazu gibt es im Quartier noch zwei Plätze, die sich jeweils zu einem Gebäude hin orientieren. Zum einen liegt im Norden des Bahnhofsviertels am DVFA Center der Francois-Mitterrand-Platz, der eine Vielzahl an Sitzgelegenheiten bietet. Insgesamt ist der Platz wenig begrünt und liegt direkt an einer viel befahrenen Straße. Im östlichen Teil des Quartiers befindet sich der Jürgen-Ponto-Platz, der um das DB Systel Gebäude angeordnet ist. Dort sind ebenfalls Sitzgelegenheiten vorhanden. Zusätzlich gibt es hier noch einen Springbrunnen und Begrünung. Im Süden erstreckt sich entlang des Mainufers die mediterranen Gärten von „Nizza“. Ein längerer Grünstreifen der sich vom Gutleutviertel über das Bahnhofsviertel bis in die Innenstadt erstreckt. Nicht ganz im Bahnhofsviertel, aber direkt östlich befindet sich eine größere Parkfläche, die sich aus Taunusanlage, Gallusanlage und Untermainanlage zusammensetzt. Dazwischen befindet sich der Willy-Brandt Platzund die gleichnamige S-Bahn-Haltestelle.611

Öffentlicher Raum

Programme  

Neben den vielen Büroflächen, die unter anderem einige Banken beherbergen, liegt der wirtschaftliche Schwerpunkt des Stadtteils vor allem auf der Gastronomie und dem Einzelhandel. Aufgrund der Bevölkerungsstruktur gibt es eine Vielzahl von ausländischen Restaurants, Imbissen und Lebensmittelgeschäften. Das Rotlichtgewerbe besetzt nur einen kleinen Teil des Bahnhofsviertels. Es konzentriert sich hauptsächlich entlang der Taunusstraße und in Teilen ihrer Querstraßen, vor allem die nördliche Elbestraße und die Moselstraße, wo sich mehrere Laufhäuser befinden.11

Leben im Bahnhofsviertel 

Das Bahnhofsviertel ist ein multikultureller Ort, mit verschiedenen Menschengruppen, die auf engem Raum, aber völlig getrennt voneinander leben. 65,8 % der Einwohner haben einen Migrationshintergrund und somit ist das Viertel mit 52 % das Viertel mit dem höchsten prozentualen Anteil an Ausländern aller Frankfurter Stadtteile. Gleichzeitig ist das Bahnhofsviertel auch der Stadtteil, in dem die Zahl der Kinder je Frau mit 0,86 am niedrigsten in Frankfurt ist und gerade einmal etwas mehr als die Hälfte des Bundesdurchschnittes beträgt. Die Bevölkerungsdichte ist mit 7.143 Einwohnern pro Quadratkilometer sehr gering, dies ist allerdings nicht der Bebauungsdichte geschuldet, sondern dem hohen Anteil an Büros und Geschäftsräumen. Das Rotlichtgewerbe und die offene Drogenszene sind ebenfalls ein Bestandteil des Bahnhofsviertels. 16 von 30 Frankfurter Bordellen befinden sich im Gebiet des Viertels, zusätzlich 30 weitere Etablissements. Außerdem wurden in den 1990er-Druckräumefür Rauschgiftsüchtige, welche einen geschützten Raum für Drogenkonsum bieten, und soziale Auffangeinrichtungen ins Leben gerufen.1113

 

Auch interessant

Autor*innen

  • Nosa Atewe (Technische Universität Braunschweig, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt, Sommersemester 2021)
  • Jacqueline Eickelmann (Technische Universität Braunschweig, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt, Sommersemester 2021)
  • Marcel Galrao (Technische Universität Braunschweig, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt, Sommersemester 2021)

Quellen

  1. Atlas WSV Bund. Pegelonline Karte. https://atlas.wsv.bund.de/clients/desktop/?zoom=10&center=8.92823%2C52.303011&vl=bwastrwms%2Ctopplus_grau&route_option=bsf,, Stand: 15.08.2021
  2. Bodenviewer Hessen. https://bodenviewer.hessen.de/mapapps/resources/apps/ bodenviewer/index.html?lang=de, Stand: 15.08.2021
  3. climate data. Klima Frankfurt am Main (Deutschland). https://de.climate-data.org/ europa/deutschland/hessen/frankfurt-am-main-447/, Stand: 15.08.2021
  4. Frankfurt Interaktiv. Bahnhofsviertel. Ein Stadtteil mit zwei Gesichtern. https://frankfurt-interaktiv.de/stadtteile/bahnhofsviertel, Stand: 15.08.2021
  5. Geoportal Frankfurt. ÖPNV Karte. https://geoportal.frankfurt.de/karte/, Stand: 15.08.2021
  6. Hauptmeier, Carsten: Zeit online. Ein Viertel von Welt. https://www.zeit.de/entdecken/reisen/merian/frankfurt-bahnhofsviertel-hipster-multi-kulti, 20.09.2016
  7. Stadtplanungsamt Frankfurt. Stadtumbau in Hessen. Städtebauliches Entwicklungskonzept ,,Bahnhofsviertel’’. https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/stadtumbau_bahnhofsviertel_5572.html, Stand: 15.08.2021
  8. topographic-map.com. Frankfurt am Main. https://de-de.topographic-map.com/maps/eces/Frankfurt-am-Main/, Stand: 15.08.2021
  9. Wikipedia. Fluviatiles Sediment. https://de.wikipedia.org/wiki/Fluviatiles_Sediment, Stand: 15.08.2021
  10. Wikipedia. Frankfurt am Main. https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt_am_Main, Stand: 15.08.2021
  11. Wikipedia. Frankfurt - Bahnhofsviertel. https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt-Bahnhofsviertel, Stand: 15.08.2021
  12. Wikipedia. Liste der Hochh user in Frankfurt am Main. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Hochhäuser_in_Frankfurt_am_Main, Stand: 15.08.2021
  13. ZDF. Brennpunkt Deutschland. Frankfurt, Bahnhofsviertel. https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/brennpunkt-deutschland-frankfurt-bahnhofsviertel-100.html, 08.01.2021
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